Wie gehen Männer im Alltag mit Gesundheit um?

Eine empirische Untersuchung zum Zusammenhang von Gesundheitshandeln von Männern im mittleren Lebensalter und Männlichkeit(skonstruktionen)

 

Titel Englisch: How do men deal with health in everyday life? An empirical study on the interconnections of health action of middle-aged men and (constructions of) masculinity

 

Laufzeit: 01.04.2012 - Ende Mai 2014
Projekt gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), Abteilung I
Projektnummer: 140370

Leitung
Prof. Dr. Andrea Maihofer (Zentrum Gender Studies, Universität Basel)
Prof. Dr. Elisabeth Zemp Stutz (Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut, Universität Basel)

Mitarbeitende
Dr. Nina Wehner (Zentrum Gender Studies, Universität Basel)
Dr. Diana Baumgarten (Zentrum Gender Studies, Universität Basel)
Frank Luck, MScN, Doktorand (Zentrum Gender Studies, Universität Basel)

 

PROJEKT

Hintergrund: Weltweit besteht ein „gender gap“ in der Lebenserwartung und Sterblichkeitsrate zwischen Männern und Frauen – zu Ungunsten der Männer. Das gilt auch für die Schweiz. Diese höhere Sterblichkeit von Männern kommt überwiegend durch verhaltensbedingte Ursachen zustande: Männer weisen ein stärkeres gesundheitliches Risikoverhalten auf, nehmen weniger Vorsorgeuntersuchungen wahr, setzen sich grösseren körperlichen Belastungen aus und suchen weniger oder erst spät ärztliche Hilfe. Wie hängt dieses Verhalten mit Männlichkeit(skonstruktionen) zusammen?
Inwiefern fungieren gesundheitsrelevante Verhaltensweisen als Herstellungsprozesse für weibliche/männliche Geschlechtsidentitäten? Dies sind zentrale Fragen unseres Forschungsprojekts.
Indem wir gesundheitsrelevantes Verhalten als vergeschlechtlichtes und zugleich vergeschlechtlichendes Handeln untersuchen, kehren wir die herkömmliche Blickrichtung auf Gesundheit und Geschlecht um: Gesundheitsrelevantes Handeln wird nicht vorgängig durch Männlichkeit erklärt, sondern als Resultat und Ausgestaltung von Männlichkeits-/Weiblichkeitskonzepten verstanden.

Wenn sich Männer in ihrem Alltag an Mustern hegemonialer Männlichkeit(en) orientieren und spezifische Formen von Männlichkeit(en) herstellen (müssen), kann dies durchaus mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein: Etwa wenn die Notwendigkeit, immer wieder „Stärke“, „Härte“ und Autonomie demonstrieren zu müssen, angesichts von psychischen oder physischen Krankheiten oder steigendem Lebensalter schwer zu realisieren bzw. in hohem Masse schädlich für die eigene Gesundheit ist. Daneben lassen sich auch neue Männlichkeitsausprägungen finden, die ein gesundheitsförderliches Handeln als Bestandteil von Männlichkeit beinhalten (können) und produktive Ansatzpunkte für eine neue Gesundheitspolitik sein könnten.

Methode: Anhand von 45 teilnarrativen Interviews mit sich als gesund bezeichnenden deutschsprachigen Schweizer Männern im Alter von 30 bis 60 Jahren werden wir der Frage nachgehen, welche Männlichkeitskonstruktionen als gesundheitsrelevantes Handeln deutlich werden und umgekehrt.

Bedeutung: Das individuelle Gesundheitshandeln von Männern ist sowohl im Zuge der Diskussion um eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik als auch um die Bedeutung von work-life-balance von zunehmendem Interesse. Zu wenig ist in der Schweiz bisher über die Zusammenhänge von Gesundheit, Gesundheitshandeln und Männlichkeit bekannt. Das Forschungsprojekt wird bedeutsame Erkenntnisse über das heutige Gesundheitshandeln von Schweizer Männern generieren und damit einen wichtigen Beitrag zu einer qualitativ verbesserten Gesundheitsversorgung für Männer leisten.

ARTIKEL

Wehner, N.; Baumgarten, D.; Luck, F.; Maihofer, A.; Zemp, E. (2015):"Mir geht es gut!" Gesundheitsvorstellungen von Männern in der Schweiz. Ergebnisse aus einem empirischen Projekt. [PDF (252 KB)] Freiburger Zeitschrift für Geschlechterstudien, (2), Budrich UniPress Ltd., 33-49.