Warum werden manche Männer Väter, andere nicht?

Bedingungen von Vaterschaft heute. Eine Analyse der Wechselbeziehungen von biographischen Erfahrungen, Männlichkeit und Vaterschaft.

Prof. Dr. Andrea Maihofer (Leitung)  / Diana Baumgarten, M.A. / Dipl.-Soz. Karsten Kassner / Nina Wehner, M.A.

Laufzeit: 1. Mai 2007 bis 30. Juni 2010
gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds, Abteilung I


Zusammenfassung der Ergebnisse
: Diskussionspapier [PDF (81 KB)], Zentrum Gender Studies, Basel 2010 und Medienmitteilung [PDF (65 KB)] des SNF.

Summary in English: Discussion Paper [PDF (332 KB)]

 

Ausgangslage
Im Rahmen der gegenwärtig vieldiskutierten Frage des gesellschaftlichen Wandels haben in den letzten Jahren besonders die sinkende Geburtenrate und die Zunahme an kinderlosen Personen eine vermehrte Dramatisierung erfahren. Bislang konzentrierte sich die Forschung in dieser Frage fast ausschliesslich auf die Frauen. Erst seit kurzem geraten nun auch die Männer in den Blick. Einerseits gibt es eine wachsende Zahl Männer, die sich mehr als bislang üblich um ihre Kinder kümmern wollen, andererseits steigt die Anzahl derer, die sich ausdrücklich gegen Kinder entscheiden bzw. deren Leben so verläuft, dass sie letztlich keine Kinder bekommen. Die letztgenannte Entwicklung betrifft Männer deutlich stärker als Frauen und zeigt sich vor allem bei Höherqualifizierten.

Forschungsfragen
Die Gründe für die oben genannte Entwicklung sind in der Schweiz noch wenig untersucht, nicht zuletzt, weil die Männer- und Väterforschung erst in den Anfängen steckt. Allerdings lassen sich bereits Hinweise für mögliche Ursachen finden: die fast ausschliessliche Identifikation über den Beruf; zunehmende Arbeitsbelastung; die Schwierigkeit, den richtigen Zeitpunkt für eine Familiengründung zu finden; Veränderungen in den Paarbeziehungen und die Notwendigkeit zwei gleichberechtigte Lebensentwürfe aufeinander abzustimmen und nicht zuletzt Verunsicherungen in der (eigenen) Männlichkeit bei wachsende Ansprüchen an Vaterschaft.

Ziel des geplanten Projektes ist es, die verschiedenen gesellschaftlichen und individuellen Aspekte in ihrem Wechselverhältnis und in ihren Auswirkungen auf das generative Verhalten von Männern zu untersuchen. Zentrale Hypothese dabei ist, dass sich viele Männer bei der Frage der Vaterschaft sehr unterschiedlichen, teilweise auch sehr widersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt sehen, die sie nur schwer miteinander zu verbinden wissen. Das führt zu persönlichen Verunsicherungen und Spannungen, was durch den Mangel an positiven Vorbildern und der nach wie vor bestehenden gesellschaftlichen Nichtanerkennung dieser Probleme noch verstärkt wird.

Material und Methode
Um dieser komplexen und vielschichtigen Fragestellung gerecht zu werden, sollen biographisch orientierte teilnarrative Interviews mit (hochqualifizierten) Männern in drei verschiedenen Lebensphasen geführt werden: Männer in der Ausbildung (zwischen 20-30 Jahren), Männer nach dem Berufseinstieg (zwischen 30-45 Jahren) und Männer mit bereits langjähriger Berufstätigkeit (zwischen 45-65 Jahren). Ausserdem sollen in jeder Gruppe sowohl Männer, die bereits Väter sind, als auch solche, die eine Vaterschaft ablehnen bzw. bei denen eine Vaterschaft aus welchen Gründen immer nicht zustande gekommen ist, hälftig vertreten sein.

Ziele
Im Fokus stehen die Selbstbilder und Relevanzrahmen der interviewten Männer. Ziel ist es, Einsichten darüber zu gewinnen, welche individuellen und gesellschaftlichen Gründe dazu führen, dass manche Männer Kinder bekommen und andere nicht.

 

Kontakt
Diana Baumgarten: diana.baumgarten-at-unibas.ch
Nina Wehner: nina.wehner-at-unibas.ch 
Karsten Kassner: karsten.kassner-at-gmx.de

 

Publikationen

 

Das Projekt auch im Fernsehen: Der Beitrag 'Die neuen Väter: Kuschelweich und fürsorglich', der am 29. Januar 2012 auf ARD lief, kann hier nachgeschaut werden.